Wofür war die blaue Seite des Radiergummis wirklich?

Die Kindheitserinnerung ergibt plötzlich Sinn

Viele Menschen erinnern sich deshalb an genau dasselbe Erlebnis: Der blaue Teil des Radiergummis schien irgendwie für Tinte gedacht zu sein, funktionierte aber nur mit sehr viel Druck. Am Ende war die Schrift zwar teilweise verschwunden, dafür war das Papier aufgeraut oder sogar beschädigt.

Das war kein besonders zuverlässiger Trick, um einen Fehler im Schulheft unauffällig verschwinden zu lassen. Die scheinbare Wirkung beruhte vielmehr darauf, dass die Oberfläche mechanisch bearbeitet wurde.

Gerade bei dünnem Papier konnte das schnell sichtbar werden. Aus einem kleinen Schreibfehler wurde dadurch unter Umständen eine deutlich größere beschädigte Stelle.

Die einfache Erklärung

Der klassische zweifarbige Radiergummi war also nicht einfach ein Werkzeug nach dem Motto „Rot für Bleistift, Blau für Tinte“. Die beiden Seiten unterscheiden sich vor allem durch ihre Eigenschaften.

Die weichere Seite eignet sich besonders gut zum Entfernen von Graphit auf normalem Papier. Die blaue Seite ist härter und stärker abrasiv und kann deshalb auf geeigneten, robusteren Oberflächen stärker wirken.

Dass sich damit unter bestimmten Umständen auch Tintenmarkierungen abschwächen oder entfernen ließen, erklärt die alte Vorstellung vom „Tintenradierer“. Es bedeutet aber nicht, dass die blaue Seite grundsätzlich als universeller Tintenlöscher gedacht war.

Und genau deshalb ist die Erinnerung aus dem alten Federmäppchen so nachvollziehbar: Man konnte tatsächlich beobachten, dass die blaue Seite eine Markierung verschwinden ließ. Nur war der Preis dafür bei dünnem Schulheftpapier manchmal erstaunlich hoch.

Wer damals also mit voller Überzeugung auf einem kleinen Schreibfehler herumradierte und anschließend ein Loch im Blatt hatte, hatte den Radiergummi nicht unbedingt einfach „falsch“ verstanden. Er hatte lediglich gelernt, auf ziemlich eindrucksvolle Weise, was eine abrasive Radierseite mit dünnem Papier anstellen kann.

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