Narzissmus: Ein Begriff, zwei Welten
Klinisch:
Die “Narzisstische Persönlichkeitsstörung” (NPD) ist im DSM-5 genau definiert. Sie umfasst u.a.:
- Übertriebene Selbstbezogenheit
- Starke Bedürfnisse nach Bewunderung
- Mangel an Empathie
- Beeinträchtigung im Alltag oder Beziehungen
Alltagssprachlich:
Wenn wir von “Narzissmus” sprechen, meinen wir oft nur:
- Viele Selfies
- Dauernd von sich selbst reden
- Aufmerksamkeit suchen
Das heißt aber noch lange nicht, dass jemand krankhaft narzisstisch ist. Solche “Tests” wie mit den Kreisen reduzieren eine tiefgehende Thematik auf eine optische Spielerei.
Warum ist das trotzdem spannend?
Weil es etwas über uns verrät:
1. Wie unser Gehirn arbeitet
Das Bild ist ein Paradebeispiel für “aktive Wahrnehmung”. Je nachdem, wie du hinschaust, zählst du 4, 7 oder 12 Kreise. Andere sehen kaum Struktur, manche gar keine Trennung. Das zeigt: Wahrnehmung ist subjektiv und veränderlich.
2. Wie stark wir nach schnellen Antworten suchen
In einer Welt voller Reize wollen wir klare Etiketten: “Ich bin introvertiert”, “Du bist ein Typ 5”, “Er ist ein Narzisst”. Die Kreise liefern eine scheinbar einfache Wahrheit – und damit schnelle Bestätigung.
